Das Naturschutzgebiet der Diaccia Botrona

Das Naturschutzgebiet der Diaccia Botrona

Reichtum an Artenvielfalt im Herzen der toskanischen Maremma

Das Gebiet, das wir heute als Naturschutzgebiet der Diaccia Botrona kennen, war einst ein mit dem Meer verbundenes Salzwasserbecken, das über Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Einnahmequelle für die Bewohner darstellte und den Lebensunterhalt der umliegenden Gebiete durch den Fischfang, den Verkauf von Fisch und die Salzgewinnung sicherte. Dieser enorme Fischteich, der “piscaria” genannt und von einer Burg überragt wurde, ist in die geografische Bezeichnung des Dorfes Castiglione della Pescaia eingegangen. Der Prilesee verlor im Laufe der Jahrhunderte an Salzgehalt – im Jahre 1386 wurde er zum Süßwassersee erklärt – und begann auszutrocknen, wobei sich die Sumpfbecken bildeten, die das Feuchtgebiet charakterisieren.

Das Voranschreiten der Sumpfbildung trug zur immer größeren Verbreitung der Malaria bei, die zu einem demographischen Rückgang und damit auch zum Rückgang der Beschäftigung führte. Die Bevölkerung war gezwungen, sich vor allem in den Sommermonaten in gesündere Gebiete zurückzuziehen. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts förderten die Großherzöge von Lothringen zahlreiche Maßnahmen zur Sanierung und Entwässerung des Gebietes, die zur Verbesserung der Lebensbedingungen beitrugen. Für diese ersten Projekte beauftragte Pietro Leopoldo den jesuitischen Mathematiker Leonardo Ximenes, der das Projekt der Casa Rossa entwarf, die schließlich im Jahr 1767 vollendet wurde. Das Bauwerk sollte den Wasseraustausch zwischen dem Sumpfgebiet und dem Meer über ein Schleusensystem regeln und kontrollieren. Dieses Projekt hätte somit einerseits den Fischfang durch die Regelung der Strömungen und des Wasseraustauschs erleichtern und andererseits die Verbreitung der Krankheit verhindern sollen. Die Isola Clodia, die am anderen Ufer des antiken Prilesees liegt, scheint antiken Ursprungs zu sein. Sie spielte auf Grund ihrer Lage eine große Rolle: auf der einen Seite überschaute sie den schiffbaren Bereich des Sees, auf der anderen erlaubte sie die Kontrolle der Straßen, die Castiglione della Pescaia mit dem Inland verbanden.

Mit ihren 1273 Hektar Oberfläche ist die Diaccia Botrona eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Italiens und wurde 1971 in der Konvention von Ramsar zum Feuchtgebiet internationaler Bedeutung erklärt. Das Naturschutzgebiet zählt sowohl zu den ministeriellen SIC-Gebieten (Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung) als auch zu den Zonen speziellen Schutzes (ZPS). Es hat höchste Bedeutung als Zwischenstop für Zugvögel und als Überwinterungs- und Brutgebiet für Wasservögel. Insgesamt sind mehr als 200 ornithologische Arten erfasst, von denen 70 im Gebiet brüten und circa 20 in der Habitat-Richtlinie aufgeführt sind. Ziel der Habitat-Richtlinie ist es, die Artenvielfalt der wildlebenden Tier- und Pflanzenwelt im Bereich der europäischen Mitgliedsstaaten durch die Erhaltung der natürlichen Lebensräume zu sichern. Sie umfasst darüber hinaus Pflanzenarten und deren Unterarten sowie zahlreiche Amphibien, Reptilien und Insekten.

Text von Olivia Bruschettini